Erdbeben in der Eifel: Wie oft es bebt und was dahintersteckt

Unter der Eifel bebt es. Meist merkt es niemand — die Erschütterungen sind zu schwach, um an der Oberfläche wahrgenommen zu werden. Für die Frage, ob der Eifelvulkanismus erloschen ist, sind sie trotzdem die wichtigste Datenquelle.

Dieser Beitrag erklärt, was gemessen wird und was daraus geschlossen wird. Er ist keine Gefahreneinschätzung; die geben die Erdbebendienste der Länder ab.

Zwei Arten von Beben, die man auseinanderhalten muss

Tektonische Beben

Das ist die gewöhnliche Art: Gesteinsblöcke verschieben sich entlang von Störungszonen gegeneinander, die Spannung entlädt sich ruckartig. Solche Beben entstehen in wenigen bis einigen Kilometern Tiefe. Die Region westlich des Rheins gehört zu den seismisch regeren Gebieten Deutschlands — was mit dem Bruchsystem der Niederrheinischen Bucht zusammenhängt, nicht mit Vulkanismus.

Tiefe niederfrequente Beben (DLF)

Das ist die interessante Art. Deep low-frequency earthquakes treten unter der Eifel in etwa 45 Kilometern Tiefe auf — weit unterhalb der Zone, in der tektonische Beben entstehen, im oberen Erdmantel.

Der Name beschreibt das Signal: Die Schwingungen sind langsamer und tieffrequenter als bei einem Bruchbeben. Sie werden nicht mit reißendem Gestein erklärt, sondern mit der Bewegung von Fluiden oder Gasen — Schmelze oder Gas, das sich durch das Gestein arbeitet.

Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften erfasst diese Beben unter der Eifel seit 2013 systematisch.

Warum die Unterscheidung wichtig ist

Ein tektonisches Beben in der Eifel sagt über Vulkanismus nichts aus. Ein DLF-Beben schon: Es ist ein Hinweis darauf, dass sich in der Tiefe etwas bewegt, das nicht fest ist.

Zusammen mit dem zweiten Befund — der Hebung des Rheinischen Schiefergebirges — bildet das die Grundlage für die Einschätzung, dass der Eifelvulkanismus schläft und nicht erloschen ist. Beides sind Messungen, keine Vermutungen.

Was gerade gemessen wird

Im Projekt Large-N stehen 350 Geophone in den Landkreisen Mayen-Koblenz und Ahrweiler und zeichnen etwa ein Jahr lang durchgehend auf — Beben ebenso wie Hintergrundrauschen.

Auch das Rauschen ist Nutzsignal: Aus dem ständigen leisen Zittern des Untergrunds lässt sich der Aufbau der Tiefe rekonstruieren, ähnlich wie ein Ultraschallbild aus reflektierten Wellen entsteht. Je dichter das Messnetz, desto schärfer das Bild — daher der Name des Projekts.

Beteiligt sind neben dem GFZ mehrere Universitäten sowie der Erdbebendienst Südwest und die Erdbebendienste der Bundesländer.

Wie oft bebt es, und wie stark?

Gezählt wird nicht nach Landschaften, sondern nach Messregionen. Für das nördliche Rheinland und die angrenzenden Gebiete, zu denen die Nordeifel gehört, führt die Erdbebenstation Bensberg der Universität zu Köln seit Aufzeichnungsbeginn 1955 Buch: über 2.000 registrierte und lokalisierte Beben.

Die Bandbreite reicht von Mikrobeben unterhalb der Magnitude 2, die niemand spürt, bis zum stärksten Ereignis der Messreihe: dem Beben von Roermond am 13. April 1992 mit Magnitude 5,9. Für die Niederrheinische Bucht sind über zwanzig Schadenbeben überliefert; eines der stärksten ereignete sich 1756 bei Düren.

Die Größenordnung ist damit umrissen: viele schwache Ereignisse, wenige spürbare, sehr selten ein schädigendes. Und keines davon hat mit den tiefen niederfrequenten Beben zu tun, um die es weiter oben ging.

Wer aktuelle und historische Bebendaten sucht, findet sie bei den zuständigen Stellen: dem Erdbebendienst Südwest für Rheinland-Pfalz und dem Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen für den nordrhein-westfälischen Teil der Eifel. Beide führen Kataloge mit Datum, Ort, Tiefe und Magnitude.

Was man an der Oberfläche sieht

Von den Beben selbst nichts. Sichtbar ist der andere Teil desselben Systems: austretendes Gas. Am Ostufer des Laacher Sees steigt ständig Kohlendioxid auf, erkennbar am Blubbern an der Wasseroberfläche. In Andernach treibt dasselbe Gas einen Geysir bis zu 60 Meter hoch.

Beides ist kein Restwärmephänomen, sondern laufender Gasnachschub aus der Tiefe.

Bildnachweis: Bild 20150813Schalkenmehren1 von AnRo0002, freigegeben unter CC0 1.0 (gemeinfrei), über Wikimedia Commons. CC0 verlangt keine Namensnennung; sie erfolgt hier freiwillig. Für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: 25.08.2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Auskunft der Erdbebendienste.

1 Kommentar zu „Erdbeben in der Eifel: Wie oft es bebt und was dahintersteckt“

Die Kommentare sind geschlossen.