Die kurze Antwort lautet: Erloschen ist der Eifelvulkanismus nicht. Ob man ihn „aktiv“ nennt, hängt davon ab, was man unter dem Wort versteht — und genau darüber wird geforscht.
Dieser Beitrag gibt wieder, was Forschungseinrichtungen dazu veröffentlicht haben. Er ist keine Gefahreneinschätzung. Prognosen zu Vulkanausbrüchen geben die zuständigen geowissenschaftlichen Dienste ab, nicht dieses Portal.
Wann es zuletzt ausgebrochen ist
Zwei Daten sind maßgeblich:
- vor rund 13.000 Jahren — der Ausbruch des Laacher-See-Vulkans in der Osteifel, das mit Abstand größte Ereignis
- vor rund 10.900 Jahren — die Entstehung des Ulmener Maars, der bislang letzte Vulkanausbruch auf deutschem Boden
In menschlichen Maßstäben ist das lange her. In geologischen ist es das nicht. Vulkanfelder mit langen Ruhephasen zwischen einzelnen Ausbrüchen sind der Normalfall, nicht die Ausnahme — und die Eifel ist ein solches Feld: Jeder Ausbruch schuf einen neuen Krater an einer neuen Stelle, statt einen bestehenden Vulkan wieder zu befeuern.
Zwei Anzeichen, die gegen „erloschen“ sprechen
Das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften nennt zwei messbare Befunde:
1. Das Rheinische Schiefergebirge hebt sich
Die Region steigt. Eine Hebung dieser Art wird unter anderem mit aufsteigendem heißem Material im Erdmantel erklärt — dem sogenannten Eifel-Plume.
2. Tiefe niederfrequente Erdbeben
Seit 2013 werden unter der Eifel systematisch sogenannte DLF-Beben erfasst — deep low-frequency earthquakes. Sie treten in etwa 45 Kilometern Tiefe auf, also weit unterhalb der Zone, in der gewöhnliche tektonische Beben entstehen.
Solche Beben werden mit der Bewegung von Fluiden oder Gasen in Verbindung gebracht — Schmelze oder Gas, das sich durch das Gestein bewegt. Aus Vulkangebieten anderswo auf der Erde ist dieses Signal bekannt. Es ist der Grund, warum die Eifel geowissenschaftlich als schlafend und nicht als erloschen gilt.
Mehr zum Bebengeschehen steht im Beitrag Erdbeben in der Eifel.
350 Geophone im Boden
Um diesen Befunden nachzugehen, läuft in der Vulkaneifel das Projekt Large-N. Dafür wurden 350 Geophone in den Landkreisen Mayen-Koblenz und Ahrweiler ausgebracht, die über etwa ein Jahr hinweg Erschütterungen und Hintergrundrauschen aufzeichnen.
Das Verfahren funktioniert wie eine Ultraschalluntersuchung: Wellen laufen durch den Untergrund und werden an Grenzflächen unterschiedlich gebrochen. Aus vielen Messpunkten lässt sich rekonstruieren, wo Gestein fest ist und wo etwas anderes liegt — Fluid, Gas, Schmelze.
Beteiligt sind neben dem GFZ mehrere Universitäten, der Erdbebendienst Südwest und die Erdbebendienste der Länder. Der Natur- und Geopark Vulkaneifel hat für die Aufstellung der Geräte um Mithilfe aus der Bevölkerung geworben.
Was daraus nicht folgt
Aus „nicht erloschen“ folgt kein bevorstehender Ausbruch. Die genannten Befunde beschreiben Vorgänge in 45 Kilometern Tiefe über Zeiträume von Jahrtausenden. Zwischen dem Nachweis von Fluidbewegung im oberen Erdmantel und einer Eruption an der Oberfläche liegen Größenordnungen.
Wer eine belastbare Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit künftiger Aktivität sucht, findet sie bei den geowissenschaftlichen Diensten — nicht auf Reiseseiten. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat zu dieser Frage im Zusammenhang mit der Standortsuche für ein Endlager einen eigenen Bericht vorgelegt.
Was man davon sehen kann
Sichtbar ist der Vulkanismus überall dort, wo Gas aus dem Untergrund austritt. Am Ostufer des Laacher Sees steigt ständig Kohlendioxid auf — als Blubbern an der Wasseroberfläche, die sogenannten Mofetten. In Andernach treibt dasselbe Gas den höchsten Kaltwassergeysir der Welt.
Und die Maare selbst sind das Ergebnis: rund 100 nachgewiesene Explosionskrater, verteilt über die Vulkaneifel.
Bildnachweis: Bild Mosenberg Lavaschichtung von Keupa1407, lizenziert unter CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons. Für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.
Quellen
- GFZ Helmholtz-Zentrum für Geowissenschaften: Wie tief schläft der Eifel-Vulkanismus? — DLF-Beben, Hebung, Large-N
- GFZ: Large-N — vulkanseismologisches Experiment in der Eifel
- Geopark Vulkaneifel: Ulmener Maar — Datierung 10.900 Jahre
- Benediktinerabtei Maria Laach: Vulkanlandschaft — Laacher-See-Ausbruch, Mofetten
Stand der Angaben: 25.08.2026. Dieser Beitrag gibt veröffentlichte Forschungsergebnisse wieder und ersetzt keine Gefahreneinschätzung.