Stolberg im Rheinland – die Kupferstadt am Nordrand der Eifel

Stolberg liegt dort, wo das Aachener Land in die Eifel übergeht: im Tal des Vichtbachs, rund zwölf Kilometer östlich der Aachener Innenstadt. Über der Altstadt thront eine Burg, darunter stehen die Kupferhöfe einer Zeit, in der Stolberg das bedeutendste Messingzentrum Europas war. Daher der Beiname Kupferstadt. Wichtig für die Suche: Gemeint ist hier Stolberg im Rheinland, amtlich Stolberg (Rhld.), nicht Stolberg im Harz.

Stolberg in Zahlen

  • Einwohner: 57.678 (Stand 31.12.2025, Gemeindeverzeichnis der Statistischen Ämter)
  • Fläche: 98,48 Quadratkilometer – nach Simmerath und Aachen die drittgrößte Kommune der StädteRegion Aachen
  • Höhe: von 160 Metern an der Kläranlage Steinfurt bis 483 Metern an der Grenze zu Hürtgenwald
  • Stadtrechte: 1856
  • 17 Stadtteile: Atsch, Breinig, Breinigerberg, Büsbach, Donnerberg, Dorff, Gressenich, Mausbach, Münsterbusch, Oberstolberg, Schevenhütte, Unterstolberg, Venwegen, Vicht, Vicht-Breinigerberg, Werth und Zweifall
  • Anfahrt mit dem Auto: ab Aachen-Zentrum rund 12 Kilometer, gut 20 Minuten; ab Köln rund 65 Kilometer, knapp eine Stunde; ab Trier rund 170 Kilometer, gut zwei Stunden

Der Vichtbach fließt von Süden nach Norden durch die Stadt und mündet bei Steinfurt-Velau in die Inde. Landschaftlich gehört Stolberg zum Vennvorland, dem Übergang vom Aachener Land zu Hohem Venn und Nordeifel. Der Naturpark Nordeifel zählt das Vichttal, den Schlangenberg, Breinig, Venwegen und Zweifall zu dieser Landschaft.

Warum Stolberg Kupferstadt heißt

Die Geschichte beginnt in Aachen. Dort stellten die Kupfermeister seit dem Mittelalter Messing her, aus Kupfer und dem Zinkerz Galmei. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zogen sie ins Vichttal: Leonard Schleicher baute 1575 den ersten Kupferhof in Stolberg, 1598 waren es schon ein gutes Dutzend. Die Kupfermeister waren Protestanten; in Aachen setzten ihnen die Religionsunruhen und die strengen Zunftregeln zu. In Stolberg erlaubte ihnen der Burgherr von Efferen um 1600 die Ansiedlung – und hier lag alles nah beieinander: Galmei bei Breinig, Mausbach und Gressenich, Holz für die Holzkohle, Wasserkraft am Vichtbach.

1663 liefen in Stolberg 90 bis 95 Schmelzöfen. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Stadt das bedeutendste Messingzentrum der damaligen Welt, in der Blütezeit arbeiteten rund 40 Kupfermeisterfamilien, darunter Schleicher, Peltzer, Prym, Lynen, von Asten und Momma. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann der Niedergang: Die Erzlager waren erschöpft, und mit der Zinkdestillation im 19. Jahrhundert verlor das alte Galmeiverfahren seinen Vorsprung.

Die Industrie blieb trotzdem. Prym, 1530 in Aachen gegründet und seit 1642 in Stolberg, machte erst Messing und dann Fertigwaren daraus – das Unternehmen ist bis heute in der Stadt. Dazu kamen die Stolberger Metallwerke, die Stolberger Zink, die Bleihütte Binsfeldhammer und das Pharmaunternehmen Grünenthal.

Die Kupferhöfe

Die Kupferhöfe waren Wohnhaus, Werkstatt und kleine Festung zugleich. Wie viele es insgesamt gab, lässt sich nicht genau sagen; in den nördlichen Stadtteilen sind von ehemals mehr als zehn Höfen noch vier erhalten. Bekannte Namen sind der Schardt (kurz vor 1600 als Doppelhof gebaut, seit 1719 Tuchfabrik), die Rose am Alter Markt (heute ein Kunsthof mit Ateliers), Schleicher’s Hof von 1575, Rosental neben der Stadthalle, Sonnental, Grünenthal, Bleibtreu, Steinfeld, Stöck und Blankenberg.

Der weiß verputzte Kupferhof Rose am Alter Markt in Stolberg mit Torbogen und efeubewachsener Fassade.
Der Kupferhof Rose am Alter Markt – heute ein Kunsthof mit Ateliers.

Burg Stolberg

Die Burg geht auf die Herren von Stalburg im 12. Jahrhundert zurück; erstmals erwähnt wird sie 1118. Um 1445/1447 kam sie an Wilhelm von Nesselrode, nach einem Brand 1542 ließ Hieronymus von Efferen sie wieder aufbauen und erweitern, 1756 beschädigte ein Erdbeben die Anlage. Ende der 1880er-Jahre kaufte der Fabrikant Moritz Kraus die Ruine, ließ sie wieder aufbauen und schenkte sie 1909 der Stadt als unveräußerliches Eigentum. Ausführlich erzählt das der Beitrag Burg Stolberg. Im Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde sie 1951 bis 1953 am Zustand um 1550 orientiert zurückgebaut; 1987 wurde sie neu eingeweiht.

Heute gehört die Burg der Stadt. Sie beherbergt den Rittersaal, das Museum in der Torburg (ein Heimat- und Handwerksmuseum), Gastronomie und Veranstaltungen. Der Eintritt ist frei, es gibt kostenlose Audioguides in vier Sprachen. Das Burggelände ist täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich; die Innenräume sind mittwochs bis sonntags geöffnet, die genauen Zeiten stehen bei Stolberg erleben.

Die Altstadt

Ein Spaziergang durch Oberstolberg führt vom Alter Markt mit dem Kupferhof Rose über den Kupferhof Schart und den Offermannplatz zur Torburg und zum Kupfermeisterfriedhof mit seinen Grabplatten aus Blaustein. Viele Häuser stehen unter Denkmalschutz. Sehenswert sind auch die Kirchen der Kupfermeister: die lutherische Vogelsangkirche von 1647/48, die Finkenbergkirche (1688–1725) und St. Lucia, die frühere Burgkapelle.

Der Vichtbach fließt zwischen Bruchsteinhäusern durch die Stolberger Oberstadt, links ein Geländer und Laternen.
Der Vichtbach in Oberstolberg – im Juli 2021 stand dieses Tal meterhoch unter Wasser.

Die Flut von 2021

Im Juli 2021 traten Vichtbach und Inde über die Ufer. Die tiefer gelegene Innenstadt und die ganze Talachse von Zweifall über Vicht bis in die Atsch standen meterhoch unter Wasser, das Stadtarchiv lief voll. Die Schäden allein an der öffentlichen Infrastruktur werden auf rund 353 Millionen Euro geschätzt. Wie dieselbe Nacht weiter südlich verlief, beschreibt der Beitrag zur Flut im Urfttal; was seitdem gebaut wird, steht unter Hochwasserschutz in der Eifel.

Museen

  • Museum Zinkhütter Hof, Cockerillstraße 90 in Münsterbusch: Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region Aachen – Messing, Zink und die Aachener Nadelherstellung. Mehr dazu im Beitrag Museum Zinkhütter Hof. Eröffnet 1996, getragen vom Verein Zinkhütter Hof. Das Gebäude war ursprünglich eine Glashütte.
  • Museum in der Torburg an der Burg: Heimat- und Handwerksmuseum, Eintritt frei.

Natur und Wandern rund um Stolberg

Das bekannteste Naturziel liegt im Süden der Stadt: das Naturschutzgebiet Schlangenberg bei Breinigerberg, eine alte Bergbaulandschaft mit dem Galmei-Veilchen und anderen Schwermetallpflanzen. Dorthin führt auch die Kupferroute, ein Partnerweg des Eifelsteigs: 15,5 Kilometer vom Alter Markt über Binsfeldhammer, Mausbach, Vicht und den Schlangenberg, an Zweifall vorbei bis Kitzenhaus, wo sie auf den Eifelsteig trifft (eigener Beitrag: die Kupferroute). Die Hauptroute des Eifelsteigs selbst führt nicht durch Stolberg; ihre erste Etappe läuft von Kornelimünster über Walheim und Friesenrath nach Roetgen.

Weitere Wege starten an der Burg (ein Geologiepfad), in Vicht und Zweifall. Im Osten liegt bei Schevenhütte die Wehebachtalsperre, ein Trinkwasserspeicher seit 1983: Wandern und Radfahren sind erlaubt, Baden und Wassersport nicht. Die Stadtteile im Galmeirevier haben eigene Beiträge: Breinig mit seinem denkmalgeschützten Ortskern und Mausbach mit der Erzgrube Diepenlinchen.

Anreise

Der Hauptbahnhof Stolberg (Rheinl) Hbf liegt an der Strecke Köln–Aachen und wird von RE 1, RE 9 und der Euregiobahn RB 20 angefahren. Die Euregiobahn hält seit 2001 zusätzlich an Schneidmühle, Mühlener Bahnhof, Rathaus und Altstadt – praktisch für die Burg. Einen eigenen Autobahnanschluss hat Stolberg nicht; die nächsten Anschlussstellen sind Eschweiler-West an der A 4, Aachen-Brand an der A 44 und Würselen/Verlautenheide an der A 544.

Karte

Bildnachweis: Beitragsbild „Burg Stolberg, Südseite, (5)“ von ArthurMcGill, lizenziert unter CC BY 3.0, über Wikimedia Commons.
Bilder im Text: „Kupferhof Rose, Stolberg“ von ArthurMcGill, lizenziert unter CC BY 3.0; „Stolberg (Rheinland) 16“ von Thomas Hummel, lizenziert unter CC BY-SA 4.0; beide über Wikimedia Commons. Alle für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026.

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