Die Wehebachtalsperre liegt im Wald zwischen Stolberg und Hürtgenwald, am Westrand des Hürtgenwalds. Der Damm steht bei Schevenhütte auf Stolberger Gebiet, der See reicht weit in den Kreis Düren hinein. Seit 1983 in Betrieb, ist sie die jüngste der großen Talsperren in der Nordeifel – und eine der stillsten: Weil sie Trinkwasser liefert, gibt es hier weder Badestrand noch Boote. Wer kommt, kommt zum Wandern.
Die Talsperre in Zahlen
- Betreiber: Wasserverband Eifel-Rur (WVER); das Trinkwasser bereitet die WAG Nordeifel auf
- Bauzeit: 1977 bis 1981, Grundsteinlegung am 7. Juni 1977; in Betrieb seit 1983
- Damm: Felsschüttdamm aus Schiefer und Grauwacke, 49,5 Meter hoch über der Gründung, Krone 435 Meter lang
- Stauraum: rund 25 Millionen Kubikmeter bei Vollstau
- Wasserfläche: 1,62 Quadratkilometer, der See ist etwa vier Kilometer lang
- Einzugsgebiet: gut 43 Quadratkilometer, zu rund drei Vierteln Wald
- Zuflüsse: Roter und Weißer Wehebach, Weberbach, Thönbach und Hürtgenbach
Der Damm ist kein Betonbau, auch wenn das manchmal zu lesen ist: Er besteht aus geschüttetem Fels, wasserseitig mit einer zweilagigen Asphaltdichtung abgedichtet. Im Kern liegt eine Zone aus Bitumensand, die den Damm bei Erdbeben schützen soll.
Wozu die Talsperre da ist
Den Anstoß zum Bau gaben die trockenen 1970er-Jahre: Die Wasserversorger in Aachen und Düren wollten mehr Sicherheit. Hauptaufgabe ist bis heute das Trinkwasser. Direkt am Damm steht die 1982 errichtete Aufbereitungsanlage der WAG Nordeifel, die höchstens 3.240 Kubikmeter pro Stunde leisten kann; 2023 gab sie gut 6,6 Millionen Kubikmeter ins Netz ab, mit weichem Wasser von 3 bis 5 Grad deutscher Härte. Dazu kommen Hochwasserschutz, die Aufhöhung niedriger Wasserstände im Sommer und ein wenig Strom: Seit 2011 läuft am Damm eine kleine Turbine mit 53 Kilowatt.
Für den Hochwasserschutz hält der Verband je nach Jahreszeit Raum frei – rund eine Million Kubikmeter im Sommer, bis zu 4,5 Millionen im Winter. Die Hochwasserentlastung, über die bei vollem See Wasser abfließt, ist erst ein einziges Mal angesprungen, beim Probeeinstau Anfang der 1980er-Jahre. Die höchsten Füllstände wurden im Mai 2002 und im April 2024 gemessen.

Die Flut von 2021 und die Weheüberleitung
Beim Hochwasser im Juli 2021 hatte die Wehebachtalsperre genug Speicherraum und gab kaum Wasser ab. Den Stolbergern half das allerdings wenig: Vichtbach und Inde, die durch Zweifall, Vicht und die Altstadt fließen, haben keine Talsperre. Genau hier setzt ein neues Projekt an. WAG Nordeifel und WVER planen die Weheüberleitung: einen rund fünf Kilometer langen Stollen mit 3,5 Metern Durchmesser, der bei Hochwasser bis zu zwölf Kubikmeter pro Sekunde aus dem Hasselbach oberhalb von Zweifall in die Wehebachtalsperre leitet. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser soll der Scheitel in Zweifall damit um rund drei Viertel sinken, in Stolberg und Eschweiler um etwa 15 Prozent. Geplant ist der Bau ab Mitte 2027, fertig sein soll der Stollen Ende 2029.
Unter dem Wasser liegt übrigens ein Stück Straße: Die alte Landstraße zwischen Kleinhau und Schevenhütte wurde samt Brücke über den Weißen Wehebach überstaut. Bei niedrigem Wasserstand taucht sie wieder auf.
Was man an der Talsperre darf – und was nicht
Weil die Wehebachtalsperre Trinkwasser liefert, sind Baden und Wassersport verboten. Freizeitangebote am Wasser gibt es keine, auch keine Einkehr am See. Wandern und Radfahren auf den Wegen im Umland sind dagegen möglich. Am Damm gibt es einen erhöhten Aussichtspunkt; mit etwas Glück sieht man im Wehetal Biberburgen. Östlich des Damms liegt außerdem ein eisenzeitlicher Ringwall.
Wandern an der Wehebachtalsperre
- Rundweg Wehebachtalsperre (Nr. 01, Rureifel-Tourismus): 11,9 Kilometer, 220 Höhenmeter, gut drei Stunden, Start am Parkplatz Schevenhütter Mühle. Trotz des Namens führt er nicht um den See herum, sondern bis an den Damm.
- Um den ganzen See: Wer die Talsperre umrunden will, plant rund 17,5 Kilometer und gut 300 Höhenmeter ein, Start etwa am Parkplatz in Großhau an der Frenkstraße. Die Runde ist nicht durchgehend beschildert, unterwegs gibt es keine Einkehr.
- Hemingway-Trail: 16,1 Kilometer ab dem Parkplatz Glockenofen in Großhau, auf den Spuren des Schriftstellers, der den Krieg hier als Reporter erlebte.
Weitere Parkplätze liegen an der Nideggener Straße in Schevenhütte und am Kloster Wenau.
Erinnerung an den Hürtgenwald
Die Wälder um die Talsperre waren im Herbst und Winter 1944 Schauplatz der Schlacht im Hürtgenwald. Schevenhütte fiel am 12. September 1944 beim Vorstoß der US-Armee in den sogenannten Stolberg-Korridor und blieb bis November der östlichste Punkt der amerikanischen Stellungen; Großhau wurde zu 90 Prozent zerstört. Daran erinnern heute unter anderem die Kriegsgräberstätte Vossenack, eingeweiht 1952 mit 2.367 Toten, die Kriegsgräberstätte Hürtgen und das Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ in Vossenack.
Anfahrt
Mit dem Auto geht es über Schevenhütte und die Nideggener Straße zum Damm – von Stolberg rund 15 Straßenkilometer, von Düren gut 16, vom Aachener Zentrum knapp 30. Von der Hürtgenwalder Seite gibt es keine direkte Straße mehr, weil die alte Landstraße im See liegt; mit dem Auto sind es von Großhau rund 22 Kilometer Umweg, zu Fuß ist man von Großhau oder Kleinhau schnell am Wasser. Von Mausbach sind es rund neun Straßenkilometer.
Weitere Gewässer der Region beschreiben Rursee und Rurtalsperre und der Beitrag zum Hochwasserschutz in der Eifel seit 2021.
Karte
Bildnachweis: Beitragsbild „Luftaufnahme Wehebachtalsperre 2025-06-08-4“ von NDG, lizenziert unter CC BY-SA 4.0.
Bild im Text: „Wehebachtalsperre03“ von Helfmann, gemeinfrei. Beide über Wikimedia Commons, für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.
Quellen
- WVER: Die Wehebachtalsperre — Datenblatt: Bauzeit, Damm, Höhe, Kronenlänge, Stauraum 25,06 Mio. m³, Fläche, Einzugsgebiet 43,4 km², Hochwasserrückhalteraum, Turbine
- Wikipedia: Wehebachtalsperre — Betrieb seit 1983, Lage, Zuflüsse, Turbine seit 2011, überstaute Landstraße, Aussichtspunkt, Ringwall
- WAG Nordeifel: TWA Wehebachtalsperre — Anlage von 1982, Leistung, Abgabe 2023, Härte
- WVER: Wehebachtalsperre gut gefüllt (2024) — Höchststände 2002 und 2024, Hochwasserentlastung
- Wasserschutzgebiet Wehebachtalsperre, Erläuterungsbericht (2024) — Waldanteil, Zuflüsse
- Stolberg erleben: Wanderparadies Wehebachtalsperre — Grundsteinlegung 1977, Anlass
- WVER: Mitteilung Juli 2021 — Speicherreserve beim Hochwasser, Vicht und Inde ohne Talsperre
- WAG Nordeifel: Weheüberleitung — Stollen, Leistung, Wirkung, Zeitplan
- WVER: Freizeitordnungen und Rureifel-Tourismus: Wehebachtalsperre — Bade- und Wassersportverbot, Biber, Anfahrt
- Rureifel-Tourismus: Rundweg Wehebachtalsperre, outdooractive: Um die Wehetalsperre und Hemingway-Trail — Tourdaten und Startpunkte
- Gemeinde Hürtgenwald: Historische Orte — Kriegsgräberstätten, Museum; Wikipedia-Artikel Schevenhütte und Großhau — Kriegsgeschehen 1944
- Straßenentfernungen: OpenStreetMap-Routing (OSRM), abgefragt am 5. Oktober 2026
Stand der Angaben: Oktober 2026.