Wie ein Maar entsteht — und warum es kein Krater ist

Der häufigste Irrtum über die Eifelmaare steckt schon im Wort „Krater“. Ein Krater sitzt oben auf einem Vulkanberg. Ein Maar liegt unten in der Landschaft. Das ist kein Detail, sondern der ganze Unterschied.

Was bei einem Maarausbruch passiert

Der Vorgang läuft in vier Schritten ab:

  1. Magma steigt auf. Aus großer Tiefe arbeitet sich Schmelze nach oben.
  2. Es trifft auf Wasser. In wenigen Dutzend bis wenigen hundert Metern Tiefe stößt es auf wasserführende Gesteinsschichten.
  3. Das Wasser verdampft schlagartig. Aus Wasser wird Dampf mit einem Vielfachen des Volumens. Der Druck zerreißt das Deckgestein und schleudert es heraus.
  4. Die Kammer bricht ein. Unter Tage bleibt ein Hohlraum, der in sich zusammenfällt. Oben bleibt ein Trichter, umgeben von einem Wall aus dem ausgeworfenen Material.

Der Fachbegriff dafür lautet phreatomagmatische Eruption — von griechisch phrear, Brunnen. Es ist eine Dampfexplosion, keine Lavaförderung.

Warum Maare rund sind und tief liegen

Beides folgt unmittelbar aus dem Vorgang.

Rund: Eine Explosion wirkt in alle Richtungen gleich. Es gibt keinen Grund, warum sie in eine Richtung mehr Material wegsprengen sollte als in eine andere. Deshalb sind Maare annähernd kreisförmig oder oval — nicht, weil sie erodiert wären, sondern von Anfang an.

Tief liegend: Ein Vulkankegel entsteht durch Aufschüttung — Lava und Asche türmen sich über Ausbrüche hinweg zu einem Berg. Bei einem Maar wird nichts aufgetürmt, sondern etwas herausgenommen. Das Ergebnis ist ein Loch in einer sonst ebenen Fläche, umgeben von einem flachen Wall.

Deshalb sucht man Maare nicht an Anhöhen. Man findet sie in der Fläche, oft ohne Zufluss und ohne Abfluss.

Was die Größe bestimmt

Wie groß ein Maar wird, hängt davon ab, wie viel Wasser an der Explosion beteiligt war und in welcher Tiefe sie stattfand. Die Bandbreite in der Eifel ist erheblich:

Zwischen dem größten und dem kleinsten liegt mehr als der zehnfache Durchmesser.

Maarsee oder Trockenmaar

Ob aus dem Trichter ein See wird, entscheidet das Grundwasser. Reicht der Trichter unter den Grundwasserspiegel, füllt er sich — ein Maarsee entsteht. Tut er es nicht, oder ist er später verfüllt worden, bleibt ein Trockenmaar.

Der zweite Fall ist der Normalfall: Von rund 100 nachgewiesenen Maaren der Eifel führen nur neun Wasser. Warum das so ist und wie ein See über Jahrtausende zum Moor wird, steht im Beitrag Trockenmaare.

Ein Eifeler Wort in der Weltsprache der Geologie

„Maar“ ist kein Fachbegriff, der in die Eifel gebracht wurde. Es ist ein Mundartwort aus der Gegend von Daun. Dort hießen die Kessel schon so, lange bevor sich die Geologie für sie interessierte. Als Herkunft liegt das lateinische mare für „Meer“ nahe.

Über die Eifel hinaus ist das Wort dann in die internationale Fachsprache eingegangen. Ein Explosionstrichter dieser Art heißt heute in Alaska, in Neuseeland und in Patagonien maar — weil der Typ zuerst hier beschrieben wurde.

Wo man das nachvollziehen kann

  • Den Aufbau des Walls: am Ulmener Maar. Zwischen Kirche und Friedhof stehen die Ablagerungen rund acht Meter mächtig frei — die am besten aufgeschlossenen Maarablagerungen der Eifel.
  • Die ungestörte Form: am Pulvermaar, dessen Tuffwall fast vollständig erhalten und rund 20 Meter mächtig ist.
  • See und Verlandung nebeneinander: am Schalkenmehrener Maar, einem Doppelmaar mit einem nassen und einem trockenen Teil.

Bildnachweis: Grafik Maar-Diatreme and Tuff Ring – Cross-section Diagram von Gábor Kereszturi und Károly Németh, lizenziert unter CC BY 3.0, über Wikimedia Commons. Unverändert übernommen; die Beschriftung ist englisch.

Quellen

Stand der Angaben: 25.08.2026.