Trockenmaare: Warum die meisten Eifelmaare kein Wasser haben

Wer „Eifelmaar“ hört, denkt an einen runden See. Tatsächlich ist der See die Ausnahme. Von rund 100 nachgewiesenen Maaren der Eifel führen nur neun noch Wasser. Alles andere sind Trockenmaare — und die sind der Grund, warum die Zahl der bekannten Maare 2025 sprunghaft gestiegen ist.

Was ein Trockenmaar ist

Ein Trockenmaar ist kein misslungenes Maar. Es ist ein Maar, bei dem die Zeit weiter fortgeschritten ist.

Am Anfang steht bei jedem Maar dasselbe: Magma trifft auf Grundwasser, das Wasser verdampft schlagartig, die Explosion sprengt einen Trichter in die Landschaft. Füllt sich dieser Trichter mit Grundwasser, entsteht ein Maarsee.

Von da an arbeitet die Verlandung. In das abflusslose Becken fällt Material: Auswurf von den Hängen, Erde, Laub, Pollen, abgestorbene Wasserpflanzen. Nichts wird abtransportiert, weil es keinen Abfluss gibt. Das Becken füllt sich von unten auf. Irgendwann reicht die Tiefe nicht mehr für einen See — dann steht ein Moor darin, später eine Wiese, zuletzt Wald.

Warum manche überleben und andere nicht

Entscheidend sind zwei Größen: wie tief der Trichter ursprünglich war und wie alt er ist.

MaarAlterTrichtertiefeheute
Pulvermaarrund 20.000 J.150–200 mSee, rund 74 m tief
Meerfelder Maarrund 80.000 J.400 mSee, rund 18 m tief
Dürres Maar40.000–70.000 J.ehem. See rund 9 mMoor, 12 m Torf
Angaben nach Natur- und Geopark Vulkaneifel, abgerufen am 25.08.2026.

Die Tabelle zeigt es: Das Meerfelder Maar hatte mit 400 Metern den mit Abstand tiefsten Trichter — und ist trotzdem nur noch 18 Meter tief, weil es viermal so alt ist wie das Pulvermaar. Das Dürre Maar war von Anfang an flach und ist entsprechend früh verlandet.

Das Schalkenmehrener Maar zeigt beides auf einmal

Wer den Unterschied an einem Ort sehen will, geht zum Schalkenmehrener Maar. Es ist ein Doppelmaar: Der westliche Teil führt Wasser, der östliche ist verlandet.

Im Ostteil hat sich Flachmoorvegetation gebildet — Weiden, Pfeifengraswiesen, Seggenriede. Für Wasservögel ist das wertvoller als der offene See nebenan. Man steht also an einer Stelle und sieht Anfang und Ende derselben Entwicklung.

Warum 30 Maare übersehen wurden

Ein vollständig verlandetes Maar ist in der Landschaft kaum zu erkennen. Der Wall ist abgetragen, der Trichter verfüllt; was bleibt, ist eine flache Senke, die aussieht wie jede andere Mulde.

Genau deshalb war die Zahl der bekannten Eifelmaare lange auf 77 festgeschrieben. Im Mai 2025 meldete der Natur- und Geopark Vulkaneifel, dass eine Forschergruppe um Prof. Georg Büchel (Universität Jena), Prof. Volker Lorenz (Universität Würzburg) und Prof. Michael Ort (Arizona State University) rund 30 bislang unbekannte Maare gefunden hat. Der Bestand liegt seither bei knapp über 100.

Gefunden wurden sie zuerst am Rechner: über Geländemodelle aus Laserscan-Daten, die minimale Höhenunterschiede sichtbar machen, welche im Gelände niemandem auffallen. Danach folgten Begehungen — auch aktiver Steinbrüche, in deren Wänden die Ablagerungen offen liegen — und Messungen mit dem Protonenmagnetometer.

Wo man Trockenmaare ansehen kann

  • Dürres Maar bei Gillenfeld — Zwischenmoor mit zwölf Meter Torf, seit 1979 unter Naturschutz. Die Moorfläche wölbt sich leicht auf, weil Torfmoos Wasser bis zum Zwanzigfachen seines Trockengewichts hält.
  • Schalkenmehrener Maar, Ostteil — Flachmoor direkt neben dem Badesee.
  • Mosbrucher Weiher und Booser Doppelmaar — zwei weitere verlandete Maare der Vulkaneifel.

⚠️ Moore sind empfindlich und meist Naturschutzgebiet. Was betreten werden darf, steht auf den Schildern vor Ort; abseits der Wege richtet ein einzelner Tritt in eine Torfmoosdecke Schaden an, der Jahre braucht.

Eine Übersicht über die wassergefüllten Maare gibt die Seite Eifelmaare.

Bildnachweis: Bild Dürres Maar im Winter (Übergangsmoor) von Jonas Börje Lundin, lizenziert unter CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons. Für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: 25.08.2026.