Breinig – Blausteinhäuser, Galmei und Schutzgebiete am Rand der Eifel

Breinig ist ein Stadtteil von Stolberg im Rheinland, gelegen auf etwa 280 Metern Höhe im Vennvorland am Nordrand der Eifel. Wer hierher kommt, findet einen der schönsten historischen Ortskerne der Gegend, Häuser aus hellem Kalkbruchstein und dunklem Blaustein – und ringsum alte Steinbrüche und Erzgruben, auf denen heute seltene Pflanzen wachsen. Das bekannteste Ziel liegt direkt nebenan: das Naturschutzgebiet Schlangenberg.

Breinig auf einen Blick

  • Einwohner: 4.822 (Stand 31.12.2018, Statistischer Jahresbericht der Stadt Stolberg) – knapp 5.000 also; Breinigerberg wird als eigener Stadtteil gezählt
  • Erste Erwähnung: 1303
  • Zu Stolberg seit: 1. Januar 1972, vorher Gemeinde Kornelimünster
  • Nachbarorte: Dorff und Büsbach im Norden, Breinigerberg im Osten, Vicht und Zweifall im Südosten, Venwegen im Süden, Kornelimünster und Hahn im Westen
  • Anfahrt mit dem Auto: ab Aachen-Zentrum rund 12 Kilometer, gut 20 Minuten; ab Köln rund 76 Kilometer, knapp eine Stunde; ab Trier rund 168 Kilometer, gut zwei Stunden

Geschichte: von den Römern zur Reichsabtei

Um Breinig wurde schon in römischer Zeit Erz abgebaut; gefunden wurden Häuser aus Blaustein und Schmelzanlagen aus keltisch-römischer Zeit. Ab 817 gehörte der Ort als Krongut zur Reichsabtei Kornelimünster und war eine ihrer fünf „Hunschaften“, der Wehrbezirke des sogenannten Münsterländchens. 1756 richtete ein Erdbeben schwere Schäden an, viele Häuser stürzten ein. 1880 wurde die Bahnstrecke Stolberg–Walheim gebaut; der Breiniger Bahnhof von 1889 steht heute unter Denkmalschutz.

Galmei und Erz

Seine Bedeutung verdankte Breinig dem Boden. In der frühen Neuzeit holten die Stolberger Kupfermeister von hier Galmei, das Zinkerz, das sie für ihr Messing brauchten. Am Schlangenberg arbeiteten zeitweise bis zu 700 Erzarbeiter. Die Erzgrube Breinigerberg förderte Blei- und Zinkerz, ab 1856 für die Eschweiler Gesellschaft, mit 3.000 bis 6.600 Tonnen im Jahr und bis in 105 Meter Tiefe; 1883 wurde sie stillgelegt. Auf der Breinigerheide lief die Erzgrube Cornelia noch bis 1922. Übrig blieb eine Pingenlandschaft – und mit ihr die Galmeiflora.

Alt-Breinig: ein Ortskern unter Denkmalschutz

Seit dem 11. September 1984 steht der Denkmalbereich Alt-Breinig mit einem Teil der Winterstraße per Satzung unter Schutz. Breinig ist als Waldhufensiedlung entstanden: Die Höfe reihen sich an der Straße, die zugehörigen Flurstreifen liefen dahinter ins Land. Gebaut wurde mit dem, was der Boden hergab – Bruchstein aus weißgrauem Kalk, dazu Blaustein für Ecksteine, Fenster- und Türgewände, teils auch Fachwerk. Die meisten Häuser stammen aus der Zeit nach 1600, oft auf mittelalterlichen Kellern. Seit 1980 wurden rund 90 Gebäude saniert. Am Ortsrand liegen die Gutshöfe Gut Stockem und Gut Rochenhaus.

Die Pfarrkirche St. Barbara in Breinig mit spitzem Turm, davor Häuser aus hellem Kalkbruchstein.
St. Barbara in Breinig – die Bergmannsheilige als Kirchenpatronin passt zum Ort.

St. Barbara

Die Pfarrkirche ist der heiligen Barbara geweiht, der Schutzpatronin der Bergleute. Eine Kapelle stand hier schon 1731. Den heutigen Bau plante Johann Peter Cremer; der Auftrag ging 1852 hinaus, 1853 begann der Bau, 1854 stürzten die Chorgewölbe ein und der Bau stockte. Am 4. Dezember 1855 wurde die Kirche erstmals genutzt, 1858 kam die Orgel von Korfmacher hinzu. Die Chorfenster gestaltete der Glaskünstler Ludwig Schaffrath.

Fünf Naturschutzgebiete vor der Haustür

Rund um Breinig liegen gleich fünf Naturschutzgebiete. Fast alle sind Hinterlassenschaften von Bergbau und Steinbrüchen:

  • Schlangenberg (ACK-011, rund 124 ha): die alte Erzgrube, Schwermetallrasen mit dem Galmei-Veilchen, kurzer Rundweg und Informationszentrum in Breinigerberg
  • Steinbruchbereich Brockenberg (ACK-010, rund 32 ha): Kalksteinbrüche mit Schwermetallrasen, Kammmolch und Uhu
  • Steinbruchbereich Bärenstein (ACK-017, rund 27 bis 30 ha): ein 1966 aufgegebener Kalk- und Dolomitbruch mit zwei großen Schwermetallrasenflächen
  • Schomet (ACK-012): am Südrand von Breinig, wo ab 1413 Blaustein gebrochen wurde
  • Auf der Rüst (ACK-007, rund 19 ha): zwischen Breinigerberg und Büsbach, ein alter Steinbruch mit zwei Kalkschlammteichen

Wandern ab Breinig

Rund um den Ort sind die Rundwanderwege BR1 bis BR4 ausgeschildert, die BR2 etwa mit 6,8 Kilometern. Wer weiter will, nimmt die Kupferroute, einen Partnerweg des Eifelsteigs: Sie führt von der Stolberger Altstadt über Mausbach und Vicht quer durch das Naturschutzgebiet Schlangenberg und durch den Münsterwald, an Zweifall und Venwegen vorbei nach Kitzenhaus (mehr in Die Kupferroute). Nach Westen geht es über Hahn und Friesenrath in Richtung Roetgen und Hohes Venn.

Vereine und Feste

Das Dorfleben ist lebendig: Die Schützenbruderschaft St. Sebastianus geht auf 1666 zurück, der Turnerbund auf 1893, dazu kommen das Trommler- und Pfeiferkorps, der SV Breinig, die KG Sündenböcke und der Eifel- und Heimatverein, der auch das Informationszentrum am Schlangenberg betreut. In Breinigerberg richtet der Hahnenverein jedes Jahr die Hahnenkirmes aus. An Christi Himmelfahrt heißt es „Breinig läuft“.

Anreise

Mit dem Auto erreicht man Breinig über die A 4 (Anschlussstelle Eschweiler-West) oder die A 44 (Aachen-Brand). Mehrere ASEAG-Buslinien verbinden den Ort mit Stolberg und Aachen, seit September 2025 ergänzt um den NetLiner Stolberg-Süd. Die Euregiobahn soll Breinig wieder erreichen; als Ziel für die vollständige Reaktivierung der Strecke von Stolberg-Altstadt wird 2027 genannt.

Im Nachbarort Mausbach lag die größte Erzgrube Stolbergs, Diepenlinchen. Die Geschichte des Erzes, das all das geprägt hat, erzählt Galmei – das Zinkerz zwischen Aachen, Stolberg und Kelmis.

Karte

Bildnachweis: Beitragsbild „Alt-Breinig“ von BBKurt, lizenziert unter CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.
Bild im Text: „Breinig Barbarakirche“ von Norbert Schnitzler, lizenziert unter CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons. Für dieses Portal höchstens auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026.

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