Das Haus Ternell liegt mitten im Hertogenwald an der Straße von Eupen nach Monschau, am Fuß des Hohen Venns und nur wenige Kilometer von der Wesertalsperre entfernt. Für Wanderer ist es ein idealer Ausgangspunkt: großer Parkplatz, Naturzentrum mit Museum, ein Café-Restaurant für danach – und vor der Tür zwei Bachtäler, die zu den urigsten Ecken Ostbelgiens gehören. Dieser Beitrag stellt zwei Rundwanderungen ab Haus Ternell vor: eine kurze Runde über den Getzbach und am Kutenhart-Venn entlang (7,2 km) und eine große Runde durchs Hilltal (13,5 km), die mit felsigen Pfaden deutlich mehr verlangt. Zu beiden gibt es Karte, Höhenprofil, Wegbeschreibung, GPX-Dateien und eine Wanderkarte als PDF zum Ausdrucken.
Die beiden Runden in Zahlen
Kurze Runde: Getzbach und Kutenhart-Venn
- Länge: 7,2 Kilometer, Rundweg
- Höhenmeter: rund 120 Meter laut Geländemodell
- Gehzeit: etwa 2 Stunden ohne Pausen
- Wege: Forst- und Asphaltwege, Waldpfade, Holzstufen an der Getzbach-Brücke, ein Grasweg am Moorrand
- Markierung: rotes Rechteck auf Weiß, dann GR rot-weiß, zurück der gelbe Balken des Geopfads
- Für wen: alle, die gut zu Fuß sind; auch für Familien mit trittsicheren Kindern
Große Runde: durchs Hilltal
- Länge: 13,5 Kilometer, Rundweg
- Höhenmeter: 377 Meter Auf- und 374 Meter Abstieg laut Tourenbeschreibung
- Gehzeit: 4:15 Stunden ohne Pausen, mit Pausen knapp 5 Stunden
- Wege: am Ternellbach und an der Hill schmale, felsige und stellenweise rutschige Pfade; der Abschnitt ist als schwieriger Wanderweg gekennzeichnet
- Markierung: auf den ersten knapp 7,5 Kilometern das Grüne Kreuz, danach wie die kurze Runde
- Für wen: trittsichere Wanderer mit Kondition; bei Nässe nicht zu empfehlen
Downloads: Wanderkarte und GPX
Wanderkarte als PDF (4 Seiten A4, 1,8 MB) – Karten, Höhenprofile, Wegbeschreibung mit Wegpunkten und die wichtigsten Hinweise zum Ausdrucken und Mitnehmen.
GPX-Tracks beider Runden (ZIP, 9 kB) – für Komoot, Outdooractive, Garmin und jede andere Wander-App. Die Wegpunkte sind wie in Karte und Wegbeschreibung nummeriert.
Vor dem Start: Sperrungen nach dem Venn-Brand
Im August 2026 hat im Naturschutzgebiet Hohes Venn eine Fläche von rund 3.000 Hektar gebrannt. Die Brandfläche, mehrere umliegende Waldgebiete und das Hochplateau sind seitdem gesperrt; noch Anfang Oktober fanden Feuerwehr und Forstverwaltung Glutnester mit mehr als 200 Grad. Laut Tourismusagentur Ostbelgien (Stand 2. Oktober 2026) sind die offiziellen Wanderrouten westlich der N68 und nördlich der N67 wieder begehbar.
Für die beiden Runden heißt das: Die kurze Runde verläuft vollständig nördlich der N67. Der Hill-Abschnitt der großen Runde liegt dagegen südlich der N67 zwischen den beiden Nationalstraßen. Wer die große Runde gehen will, prüft vorher den aktuellen Stand auf der Infoseite der Tourismusagentur oder fragt telefonisch nach (+32 80 22 76 64). Schilder vor Ort gelten immer. Was über den Brand bekannt ist, steht im Beitrag Brand im Hohen Venn auf wildnisruf.de.

Haus Ternell: Naturzentrum, Museum und Einkehr
Das Naturzentrum Haus Ternell beherbergt ein Venn- und Waldmuseum, das in Dioramen Tiere und Pflanzen der Region zeigt und erklärt, wie das Hohe Venn entstanden ist. Die Texte sind auf Deutsch, Französisch, Niederländisch und Englisch; ein 20-minütiger Film zeigt die Renaturierung des Venns. Der Eintritt kostet nach Angaben der Tourismusagentur 2 Euro für Erwachsene und 1 Euro für Kinder ab 12 Jahren. Das Zentrum bietet außerdem geführte Wanderungen an und ist im Winter Ausgangspunkt mehrerer Langlaufloipen mit Skiverleih.
Geöffnet ist das Naturzentrum dienstags bis freitags von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr; montags ist geschlossen. Das Café-Restaurant mit Terrasse hat laut Tourismusagentur dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Die Angaben weichen je nach Quelle leicht voneinander ab – vor dem Besuch lohnt ein Anruf (+32 87 55 23 13).
Kurze Runde: Getzbach und Kutenhart-Venn (7,2 km)
Die kurze Runde nimmt das Schönste der großen Runde mit – den Getzbach und den Rand des Kutenhart-Venns – und lässt das anspruchsvolle Hilltal weg. Sie bleibt ganz nördlich der N67 und ist damit derzeit die sichere Wahl.


Wegbeschreibung
- Haus Ternell (km 0,0): Die N67 vorsichtig queren und dem asphaltierten Forstweg „Ternell“ nach Norden folgen. Markierung: rotes Rechteck auf Weiß (Route Herzogenhügel – Brackvenn). Nach etwa einem halben Kilometer zweigt ein Pfad ab, der hinunter zum Getzbach führt.
- Holzbrücke über den Getzbach (km 1,1): Über Holzstufen geht es kurz und steil hinab zur Brücke. Auf der anderen Seite steigt der Pfad wieder an.
- Fahrweg am Kutenhart-Venn (km 1,7): Am breiten Fahrweg rechts halten. Gut 1,8 Kilometer führt er nun am Südrand des Kutenhart-Venns entlang, teils als Grasweg. Hier ist es offen und oft windig. Markierung: GR rot-weiß.
- Abzweig (km 3,5): Rechts abbiegen und hinunter zum Getzbach (rotes Kreuz bzw. gelber Balken).
- Steg über den Getzbach (km 3,8): Nach dem Steg auf dem breiten Fahrweg rechts – das ist der Geopfad mit dem gelben Balken.
- Richtung Ternell (km 5,2): Auf dem Asphaltweg weiter und der Beschilderung „Haus Ternell“ folgen. Nach 7,2 Kilometern ist der Parkplatz erreicht.

Große Runde durchs Hilltal (13,5 km)
Die große Runde folgt einer Tourenbeschreibung auf gps-tour.info und verbindet drei Venn-Bäche: den Ternellbach, die Hill und den Getzbach. Auf den ersten Kilometern geht es auf schmalen Pfaden steil hinab in die Schlucht der Hill. Der Weg ist dort offiziell als schwieriger Wanderweg gekennzeichnet: schmal, felsig, bei Nässe rutschig. Trittsicherheit und Wanderschuhe mit Profil sind Pflicht; bei Regen oder kurz danach ist die kurze Runde die bessere Wahl.


Wegbeschreibung
- Haus Ternell (km 0,0): Am Naturzentrum vorbei wenige Meter Richtung Eupen, dann links auf den breiten Waldweg. Am Wanderkartenschild beginnt die Markierung Grünes Kreuz.
- Forsthütte (km 0,4): An der großen Forsthütte rechts auf den Pfad, der am Ternellbach hinab in die Schlucht der Hill führt. Ab hier geht es auf schmalen Pfaden weiter.
- Hill (km 1,3): Der Pfad folgt der Hill talabwärts – der wildeste Abschnitt der Tour.
- Aufstieg (km 3,2): Nach knapp drei Kilometern verlässt der Weg das Hilltal nach rechts und steigt an der Flanke des Grünklosterbergs an, nach etwa 300 Metern auf einem Pfad deutlich steiler.
- N67 (km 3,8): Die Nationalstraße bei der Bushaltestelle Meyerskreuz vorsichtig queren und geradeaus in den Wald. Ein oft matschiger Pfad führt hinab ins Getzbachtal; kurz rechts auf den Fahrweg, dann links zum Stauwehr.
- Stauwehr (km 4,9): Über eine Metallbrücke am Wehr den Getzbach queren und etwa zwei Kilometer bachaufwärts gehen.
- Betonbrücke (km 6,7): weiter am Getzbach.
- Holzbrücke (km 7,4): Ab hier ist der Weg identisch mit der kurzen Runde (dort Punkt 2).
- Kutenhart-Venn (km 8,0 bis 9,8): Am Fahrweg bergan und rechts knapp zwei Kilometer am Moorrand entlang, dann rechts abbiegen.
- Steg über den Getzbach (km 10,1) und auf dem Geopfad nach rechts.
- Zurück nach Ternell (km 11,4 bis 13,5): Auf dem Asphaltweg und der Beschilderung „Haus Ternell“ folgend zurück zum Start.

Hill, Getzbach und die Wesertalsperre
Beide Bäche dieser Wanderung speisen die Wesertalsperre, die der Trinkwasserversorgung dient. Sie wurde von 1936 bis 1949 gebaut, ihr Stausee fasst 25 Millionen Kubikmeter auf 126 Hektar. Gespeist wird er nach Angaben des wallonischen Infrastrukturministeriums hauptsächlich von der Weser und dem Getzbach; eine Wasserentnahme aus der Hill ergänzt die Versorgung. Diese Entnahme ist auf der großen Runde zu sehen: Am Getzbach kurz vor der Talsperre endet ein Stollen, der Wasser aus dem Hilltal herüberleitet. Welche Rolle die Talsperre bei der Flut im Juli 2021 spielte, erzählt der Beitrag über die Flut 2021 in Ostbelgien.

Kutenhart-Venn: Regeln im Naturschutzgebiet
Das Kutenhart-Venn gehört zum Naturschutzgebiet Hohes Venn und ist als Zone B ausgewiesen. Dort darf jeder hinein, aber nur auf den markierten Wegen und unter Einhaltung der Regeln. Zone-C-Gebiete sind nur mit einem anerkannten Naturführer zugänglich, Zone D ist für die Öffentlichkeit ganz gesperrt. Bei hoher Brandgefahr kann der Zugang zusätzlich eingeschränkt werden: Dann wehen an den Zugängen rote Fahnen, und wer trotzdem hineingeht, riskiert 250 Euro Strafe pro Person. Einen Überblick über die Zonen und weitere Touren gibt der Beitrag Wandern im Hohen Venn auf wildnisruf.de.
Praktische Tipps
- Anfahrt und Parken: Haus Ternell liegt an der N67 zwischen Eupen und Monschau, direkt am Naturzentrum gibt es einen Parkplatz. Entlang der Nationalstraßen im Venn gilt seit dem Brand ein Halte- und Parkverbot. Die Bushaltestelle „Ternell Naturzentrum“ liegt direkt vor dem Haus.
- Schuhe und Kleidung: Die Pfade im Venn sind auch ohne Regen oft matschig. Wanderschuhe mit Profil, Regenschutz und eine warme Schicht für den offenen Moorrand gehören ins Gepäck.
- Jagd: Am 1. Oktober beginnt in Ostbelgien die Jagdsaison. An Jagdtagen können Wege und Waldgebiete gesperrt sein; gelb-rote Aushänge an den Waldwegen sind zu beachten.
- Einkehr: nur am Haus Ternell. Unterwegs gibt es keine Einkehr, Wasser und Proviant also mitnehmen.
- Notruf: 112.
Was dazu passt
Wer mit dem Rad ins Venn will, findet Ideen in der Radtour durch das Hohe Venn. Von Haus Ternell ist es nicht weit nach Monschau, und wer auf dem Rückweg Richtung Aachen fährt, kann in Kelmis die Geschichte von Neutral-Moresnet entdecken.
Interaktive Karte
Rot: kurze Runde, blau gestrichelt: große Runde.
Bildnachweis: Beitragsbild „Eupen (B), Naturpark Hohes Venn-Eifel, Getzbach – 2021 – 6587“ von Dietmar Rabich und „Getzbach-Stauwehr“ von Frinck, beide lizenziert unter CC BY-SA 4.0; „Eupen-Naturzentrum Haus Ternell (1)“ von Romaine und „Hilltunnel end at Getzbach 01“ von Leonhard Lenz, beide gemeinfrei (CC0). Alle über Wikimedia Commons, auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.
Karten, Höhenprofile, PDF und GPX: Streckenverlauf nach der Tourenbeschreibung „Über Hill und Getzbach zum Kutenhard-Venn“ auf gps-tour.info, auf dem Wegenetz von OpenStreetMap; die kurze Runde ist eine Variante ohne Hill-Abschnitt. Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Höhen aus dem Geländemodell EU-DEM (25 m). Gehzeit der kurzen Runde nach der Faustformel der DIN 33466.
Quellen
- Tourismusagentur Ostbelgien: Brand im Venn — Sperrungen, Freigabe westlich der N68 und nördlich der N67, Parkverbot an den Nationalstraßen (Stand 2. Oktober 2026)
- lokalo.de: Hohes Venn – noch immer über 200 Grad nach Großbrand (7. Oktober 2026) — Glutnester Anfang Oktober
- Tourismusagentur Ostbelgien: Haus Ternell — Museum, Dioramen, Film, Eintritt, Café-Restaurant und Öffnungszeiten, Langlauf
- Naturzentrum Haus Ternell: Kontakt — Adresse, Telefon, Öffnungszeiten
- Tourismusagentur Ostbelgien: Hinweise — Beginn der Jagdsaison am 1. Oktober, Sperrungen an Jagdtagen
- Eifel Tourismus: The High Fens — Zonen B, C und D
- BRF: Rote Fahne weht – Venn teilweise gesperrt (20. März 2025) — Bedeutung der roten Fahne, 250 Euro Strafe
- SPW Mobilität und Infrastrukturen: Talsperren an der Weser — Bauzeit, Stauvolumen, Fläche, Zuflüsse und Wasserentnahme aus der Hill
- Aachener Zeitung: Liveblog „Im Hohen Venn brennen 3000 Hektar“ — Ausmaß des Brandes
- Tourismusagentur Ostbelgien: Weser dam — Zuflüsse Weser, Getzbach und Hill, Trinkwasserversorgung
- OpenStreetMap: Kutenhard (zone B) — Lage und Zonierung des Kutenhart-Venns
- gps-tour.info: Über Hill und Getzbach zum Kutenhard-Venn — Verlauf, Länge, Höhenmeter und Gehzeit der großen Runde, Markierungen
Stand der Angaben: Oktober 2026.