Geysir Andernach: Der höchste Kaltwassergeysir der Welt

Am Rhein bei Andernach, dort wo die Eifel ans Flusstal stößt, schießt alle zwei Stunden eine Wassersäule bis zu 60 Meter in die Höhe. Der Geysir Andernach ist der höchste Kaltwassergeysir der Welt — und das Wort „kalt“ ist der entscheidende Teil des Namens.

Die Zahlen

Ausbruchshöhebis zu 60 m
Tiefe der Bohrunggut 350 m
Durchmesser des Brunnenrohrs15 cm
Wassermenge je Ausbruchrund 8.000 Liter
Abstand zwischen zwei Ausbrüchen110 bis 120 Minuten
Dauer eines Ausbruchsrund 15 Minuten
Wassertemperatur20 bis 25 °C
Wasserdruck in 350 m Tiefe35 bar
Angaben nach geysir-andernach.de, abgerufen am 25.08.2026.

Warum er ohne Hitze funktioniert

Ein gewöhnlicher Geysir — auf Island oder im Yellowstone — arbeitet mit Hitze: Grundwasser wird von aufsteigendem Magma über den Siedepunkt erhitzt, der Dampfdruck treibt die Säule nach oben.

In Andernach ist das Wasser 20 bis 25 Grad warm. Es siedet nicht und kann es auch nicht. Der Antrieb kommt von Kohlendioxid.

Das Prinzip ist das einer Sprudelflasche. In 350 Metern Tiefe herrschen 35 bar Wasserdruck; unter diesem Druck löst sich sehr viel CO₂ im Grundwasser. Steigt das Wasser im engen, nur 15 Zentimeter weiten Rohr auf, sinkt der Druck — und das Gas fällt aus der Lösung. Es bildet Blasen, die Blasen dehnen sich weiter aus, je höher sie kommen, und reißen das Wasser mit. Was als langsames Perlen beginnt, endet als Fontäne.

Danach ist der Brunnen leer. Es dauert 110 bis 120 Minuten, bis er sich wieder gefüllt und genug Gas aufgenommen hat. Dann beginnt es von vorn.

Woher das Gas kommt

Das Kohlendioxid stammt aus demselben Untergrund, der die Eifel zum Vulkangebiet macht. Es ist derselbe Gasnachschub, der am Ostufer des Laacher Sees als Mofetten durch die Wasseroberfläche blubbert — und derselbe, der die Eifeler Mineralquellen sprudeln lässt.

Der Geysir Andernach ist damit kein Kuriosum am Rande, sondern das sichtbarste Anzeichen dafür, dass der Eifelvulkanismus nicht erloschen ist. Was hier alle zwei Stunden in die Luft geht, kommt aus der Tiefe nach.

Menschgemacht — und trotzdem echt

Der Geysir ist keine reine Naturerscheinung: Die Bohrung wurde angelegt, das Rohr gesetzt. Ohne den engen Schacht gäbe es keine Fontäne, sondern nur eine gashaltige Quelle.

Das Wasser und das Gas aber sind es nicht: Beide kommen von selbst, ohne Pumpe und ohne Zufuhr. Der Mensch hat den Weg gebahnt, den Antrieb liefert der Untergrund.

Vor Ort

Der Geysir steht auf der Halbinsel Namedyer Werth im Rhein. Sie ist nicht über eine Straße erreichbar — der Weg führt per Schiff von Andernach aus. Das macht den Besuch zu einem halben Tag statt zu einem Zwischenstopp, und es bindet den Zeitpunkt an den Fahrplan.

Am Ufer in Andernach steht das zugehörige Erlebniszentrum, das die Funktionsweise erklärt und die Bohrung dokumentiert.

Fahrzeiten, Preise und Saisonzeiten stehen auf den Seiten des Betreibers; sie ändern sich und gehören nicht in einen Beitrag, der ein Jahr später noch gelesen wird.

Karte

Bildnachweis: Bild Kaltwasser Geysir Andernach 03 von Jürgen Hamann, lizenziert unter CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons. Für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: 25.08.2026. Fahrzeiten und Preise stehen hier bewusst nicht.