Museum Zinkhütter Hof – Industriegeschichte in einer alten Glashütte

Der Name führt ein wenig in die Irre: Im Zinkhütter Hof in Stolberg-Münsterbusch wurde nie Zink verhüttet. Das Backsteinensemble an der Cockerillstraße ist eine Glashütte aus den 1830er-Jahren, die später der Zinkindustrie gehörte. Seit 1996 ist darin das Museum für Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region Aachen untergebracht – und damit der Ort, an dem man die Geschichte von Galmei, Messing und Zink nicht nur liest, sondern sieht.

Vom Glas zum Museum

Im Oktober 1837 wurde das Grundstück erworben, ein Plan vom Mai 1838 zeigt bereits „die neue Glaß Hütte“, eine Karte vom August 1839 das ganze Ensemble aus Ofenhalle, Villa und Längsbau. Gebaut hat die Hütte nach der Stolberger Heimatforschung die Société de Charleroy, hergestellt wurde Fensterglas. Die Namen in der Nachbarschaft gehören zu einer anderen Familie: John Cockerill baute ab 1834 gegenüber die Zinkhütte St. Heinrich, daher heißt die Straße Cockerillstraße.

Die Glasproduktion endete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Um 1900 übernahm die Zinkindustrie das Gelände, 1904 ging es an die spätere Stolberger Zink – daher der Name. 1991 kaufte die Stadt Stolberg den Komplex, baute ihn mit Landesmitteln um und eröffnete am 20. September 1996 das Museum. Getragen wird es vom Verein Zinkhütter Hof. Mit Mitteln der Euregionale 2008 wurde ein weiterer Bau, ursprünglich wohl ein Trockenhaus für Glashäfen, zum „Forum“ umgebaut und 2009 eröffnet.

Blick in die Ausstellungshalle des Museums Zinkhütter Hof mit Backsteinbögen und Maschinen.
Die alte Ofenhalle der Glashütte ist heute Ausstellungsraum.

Was das Museum zeigt

  • Messing – „Stolberger Gold“: die Geschichte der Kupfermeister, die Stolberg im 17. und 18. Jahrhundert zum führenden Messingzentrum Europas machten. Diese Abteilung kam 2005 hinzu, im Untergeschoss der Ofenhalle.
  • Zink: vom Erz bis zum Blech, von den Zinkhütten im Stolberger Tal bis zum Ende der Verhüttung.
  • Die Aachener Nadel: Nadelfertigung an Originalmaschinen – die Region war einst ein Zentrum der Nähnadel- und Stecknadelherstellung.
  • Mobilität: eine Ausstellung zu Verkehr und Transport, seit 2018.
  • Experimentierwerkstatt: über 20 Versuche zum Selbermachen; für Kinder gibt es außerdem Münzgießen.

Herzstück ist eine Dampfmaschine, die für Besucher in Betrieb genommen wird. Draußen steht ein Schwungrad mit über zehn Metern Durchmesser, das bis 1991 im Walzwerk der Zinkhütte Münsterbusch lief, dazu ein Werkszug mit Deutz-Lok und ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus von Matthias Peters (2001).

Der Zinkhütter Hof ist Standort der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH) und liegt an deren Themenroute Eisen und Stahl.

Besuch

  • Adresse: Cockerillstraße 90, 52222 Stolberg (Münsterbusch)
  • Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14 bis 17 Uhr, samstags 14 bis 18 Uhr, sonntags 10 bis 18 Uhr; montags geschlossen, ebenso an Karfreitag und Ostermontag
  • Eintritt: Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder und Jugendliche 1 Euro, Familienkarte 10 Euro; Gruppen ab 15 Personen 4 Euro pro Person. Ein Kombiticket mit dem Energeticon in Alsdorf kostet 10 Euro.
  • Führungen: 90 Minuten für höchstens 20 Personen, 45 Euro plus Eintritt (auf Englisch oder Französisch 55 Euro). Am letzten Sonntag im Monat um 11 Uhr gibt es eine öffentliche Führung, für die nur der Eintritt zu zahlen ist.

Mit dem Bus erreicht man das Museum über die Haltestelle „Zinkhütter Hof“, die mehrere ASEAG-Linien bedienen, darunter die 12 vom Aachener Bushof. Die Linie 12 fährt auch zum Mühlener Bahnhof in Stolberg, einem Halt der Euregiobahn.

Das Backsteingebäude des Museums Zinkhütter Hof in Stolberg-Münsterbusch mit Bogenfenstern.
Der Zinkhütter Hof von außen.

Was dazu passt

Wer im Museum die Kupfermeister kennengelernt hat, findet ihre Spuren in der Stolberger Altstadt: Kupferhöfe am Alter Markt, die Burg Stolberg mit dem Museum in der Torburg und die Kirchen der protestantischen Kupfermeister. Das Erz dazu kam aus dem Süden der Stadt – die Pingenlandschaft am Schlangenberg bei Breinigerberg und die Reste der Erzgrube Diepenlinchen in Mausbach erzählen davon. Die Kupferroute verbindet die Altstadt zu Fuß mit diesen Orten. Und jenseits der Grenze zeigt das Museum Vieille Montagne in Kelmis die belgische Seite derselben Geschichte.

Karte

Bildnachweis: Beitragsbild „Zinkhütter Hof, Stolberg (8)“ von ArthurMcGill, lizenziert unter CC BY 3.0.
Bild im Text: „Zinkhütterhof pano1“ von LoKiLeCh, lizenziert unter CC BY 3.0. Beide über Wikimedia Commons, für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026.

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