Wer von der Nordeifel nach Westen fährt, überquert irgendwann eine Staatsgrenze — und merkt es kaum. Die Landschaft bleibt dieselbe, die Sprache auch. Ostbelgien gehört in weiten Teilen zur Eifel und zum Hohen Venn.
Ostbelgien, Ostkantone, Eupen-Malmedy
Als Ostbelgien oder Ostkantone werden die zu Belgien gehörenden drei Kantone mit den Städten Eupen, Malmedy und Sankt Vith bezeichnet. In engerem Sinn meint der Name nur die deutschsprachigen Wahlkantone Eupen und Sankt Vith, die die Deutschsprachige Gemeinschaft bilden. In den 1920er Jahren waren auch die Begriffe „Neubelgien“ und später „Eupen-Malmedy“ geläufig.
Wie das Gebiet belgisch wurde
Infolge des Ersten Weltkriegs wurde 1919 das mehrheitlich deutschsprachige Gebiet Eupen-Malmedy durch den Vertrag von Versailles unter belgische Verwaltung gestellt. Nach einer umstrittenen Volksbefragung im Jahr 1920 wurde Ostbelgien 1925 belgisches Staatsgebiet. Dazwischen lagen fünf Jahre Übergangsverwaltung: Von 1920 bis 1925 unterstand das Gebiet einem eigenen Gouvernement. Wenn Sie also in einem Ortsartikel lesen, ein Ort sei „1920 belgisch geworden“, und in einem anderen „1925“, ist beides richtig — das eine meint die Übergabe an Belgien, das andere die endgültige Eingliederung.
Ein Gliedstaat mit neun Gemeinden
Die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG, in der Außendarstellung „Ostbelgien“) ist neben der Französischen und der Flämischen Gemeinschaft eine der drei Gemeinschaften des Königreichs Belgien und damit ein Gliedstaat des belgischen Föderalstaates. Ihre Gemeinden liegen in der sonst französischsprachigen Wallonischen Region, im Bezirk Verviers der Provinz Lüttich. Sieben der neun Gemeinden grenzen an Deutschland. Die deutschsprachige Bevölkerungsminderheit in Belgien umfasst rund 80.000 Menschen.
Neben der DG gibt es Fazilitäten-Gemeinden: Malmedy etwa gehört zur Französischen Gemeinschaft, bietet aber Spracherleichterungen für Deutschsprachige. Eupen umgekehrt Erleichterungen für Frankophone. Die Gemeinde Bleyberg wurde 1919 in Plombières umbenannt und gehört wie Baelen und Welkenraedt zu den drei „Plattdeutschen Gemeinden“ mit ruhenden Fazilitäten.
Was diese Serie zeigt
In den folgenden Beiträgen stellen wir die Orte und Ausflugsziele Ostbelgiens vor: die Städte Eupen, Malmedy und Sankt Vith, die Gemeinden Büllingen, Bütgenbach, Amel, Burg-Reuland, Raeren und Kelmis, dazu die Botrange als höchsten Berg Belgiens, die Wesertalsperre und die Talsperren an der Warche.
Wer lieber mit dem Rad kommt: Der Vennbahn-Radweg verbindet Aachen über Monschau und Sankt Vith mit Luxemburg und führt streckenweise über belgisches Gebiet.
Karte
Bildnachweis: Beitragsbild „Hohes Venn in Belgien 02“ von Horst J. Meuter, lizenziert unter CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons. Für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.
Quellen
- Wikipedia: Ostbelgien — drei Kantone mit Eupen, Malmedy und Sankt Vith, Begriffe Neubelgien und Eupen-Malmedy, Vertrag von Versailles 1919, umstrittene Volksbefragung 1920, belgisches Staatsgebiet ab 1925, Umbenennung Bleyberg in Plombières, Plattdeutsche Gemeinden Plombières, Baelen und Welkenraedt
- Wikipedia: Deutschsprachige Gemeinschaft — eine der drei Gemeinschaften Belgiens, Gliedstaat des Föderalstaates, Gemeinden in der Wallonischen Region im Bezirk Verviers der Provinz Lüttich, sieben der neun Gemeinden grenzen an Deutschland
- Wikipedia: Eupen — rund 80.000 Einwohner umfassende deutschsprachige Bevölkerungsminderheit in Belgien, Eupen als Fazilitäten-Gemeinde
Stand der Angaben: August 2026.