Zweifall ist der südlichste Stadtteil von Stolberg und der waldigste. Der Ort liegt in einem Talkessel, in dem Vicht und Hasselbach zusammenfließen, ringsum Münsterwald und Zweifaller Wald, im Süden geht es hinauf Richtung Hohes Venn. Bevor die Stolberger Kupfermeister Messing gossen, wurde hier Eisen geschmiedet – und das sieht man dem Ort mit seinen alten Reitmeisterhäusern bis heute an.
Zweifall auf einen Blick
- Einwohner: 1.971 (Stand 31.12.2018, Statistischer Jahresbericht der Stadt Stolberg)
- Fläche: 20,37 Quadratkilometer, Höhe rund 250 Meter
- Ortsteil: Finsterau am Ostufer der Vicht
- Nachbarorte: Breinig im Westen, Vicht im Norden, Roetgen-Mulartshütte im Südwesten
- Zu Stolberg seit: 1. Januar 1972, davor kurz Teil der Gemeinde Roetgen
- Anfahrt mit dem Auto: ab Aachen-Zentrum rund 17 Kilometer, knapp eine halbe Stunde; ab Köln rund 67 Kilometer, gut eine Stunde; ab Trier rund 172 Kilometer, gut zwei Stunden
Landschaftlich gehört Zweifall zur nördlichen Abdachung des Hohen Venns und zum Naturpark Nordeifel. Der Vichtbach entspringt in Roetgen auf gut 400 Metern und fließt nach knapp 23 Kilometern in Stolberg in die Inde; der Hasselbach kommt vom Langschoß auf 560 Metern herunter und mündet in Zweifall.
Eisen aus dem Vichttal
Erstmals urkundlich erwähnt wird Zweifall im 13. Jahrhundert in den Grenzbeschreibungen und im Waldbuch der Reichsabtei Kornelimünster; die örtliche Interessengemeinschaft setzt die Anfänge der Siedlung eher um 1400 an. Groß wurde der Ort mit dem Eisen. Im Vichttal kam alles zusammen, was man dafür brauchte: Eisenstein, Holz für die Holzkohle und Wasserkraft.
Das älteste Werk war der Alte Hammer am Zusammenfluss von Hasselbach und Vicht; er lief bis Ende des 18. Jahrhunderts, zuletzt im Besitz der Familie Hoesch. Der Junkershammer ist 1551/52 schriftlich belegt, gehörte ab etwa 1640 ebenfalls den Hoesch und produzierte bis 1869. Von dort aus wurden 1664 der Platenhammer und 1724 der Neuenhammer gegründet, die heute in Vicht liegen. Die Eisenhüttenbesitzer nannte man Reitmeister; ihre Häuser prägen den Ortskern.
Eine Besonderheit war die Grenzlage: Östlich von Hasselbach und Vicht gehörte Zweifall zum Amt Wehrmeisterei, westlich zum Amt Monschau im Herzogtum Jülich, und die Vicht trennte den Ort zugleich vom Münsterländchen der Abtei Kornelimünster.
Zwei Kirchen
Die katholische St. Rochus geht auf eine Kapelle von 1521 zurück; Pfarrei ist Zweifall seit 1804. Der heutige Bau entstand nach Plänen von Carl de Berghes – Grundstein 1850, erste Messe 1852 – und wurde 1962 bis 1964 von Peter Heinen erweitert. In der Reformationszeit nutzten zeitweise Lutheraner und Reformierte die Kirche. Die evangelische Kirche von 1683 gilt als eine der ältesten von vornherein evangelisch gebauten Kirchen der Region; dazu gehören ein Pfarrhaus von etwa 1650, ein Friedhof mit Torbogen von 1706 und die ehemalige Schule von 1871.

Was man in Zweifall sieht
Die Denkmalliste des Ortes hat 53 Einträge. Dazu gehören Reitmeisterhäuser an der Döllscheidter Straße (Nummer 13 aus der Zeit vor 1650, Nummer 7 von 1692) und an der Kornbendstraße (1697), das Haus „Auf dem Werk 11“ von 1571, die Mühle „De Mölle“ von 1692 und eine Weberei von 1743. Seit März 2009 läuft das Museumssägewerk, betrieben von einem Förderverein zusammen mit dem Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde.
Wald und Naturschutz
Zweifall ist von Schutzgebieten umgeben. Das größte ist das Naturschutzgebiet Zweifaller und Rotter Wald mit gut 2.650 Hektar auf Roetgener und Stolberger Gebiet. Dazu kommen das Solchbachtal mit Hassel- und Gieschbach (knapp 20 Hektar) und bachaufwärts Richtung Rott das Vichtbachtal mit seinen Nebenbächen (gut 158 Hektar).

Wandern ab Zweifall
- Wanderweg „Vichttaler Eisenwerke“: 1989 vom Eifelverein Zweifall ausgeschildert, zu den alten Hämmern; vom Ortskern hin und zurück sind es etwa vier Kilometer.
- Waldlehrpfad im Solchbach- und Gieschbachtal: gilt als der älteste Lehrpfad im Naturpark Nordeifel.
- Hasselbachrunde: 13,1 Kilometer.
- Geschichtstour Zweifall: 15,6 Kilometer ab dem Parkplatz Solchbachtal; zuletzt wegen der Bauarbeiten für die Weheüberleitung teilweise gesperrt.
- Kupferroute: Der Partnerweg des Eifelsteigs von der Stolberger Altstadt zum Kitzenhaus führt durch den Münsterwald westlich am Ort vorbei.
- Zwischen Zweifall und Breinig verläuft außerdem der Naturlehrpfad Roggenläger.
1944 und 2021
Im September 1944 erreichten US-Truppen Roetgen; am 13. September sprengte die Wehrmacht die Brücken über Vicht und Hasselbach, am 14. rückten die Amerikaner in Zweifall ein. Der Ort blieb unzerstört. Während der folgenden Schlacht im Hürtgenwald diente ein Haus an der Jägerhausstraße der 4. US-Infanteriedivision als Stabsquartier.
Schwerer traf Zweifall das Hochwasser vom 14. Juli 2021: Die Flutwelle des Vichtbachs zerstörte große Teile des Ortes. Damit sich das nicht wiederholt, soll ab 2027 ein rund fünf Kilometer langer Stollen gebaut werden, der bei Hochwasser Wasser aus dem Hasselbach in die Wehebachtalsperre leitet. Für Zweifall soll das den Scheitel eines hundertjährlichen Hochwassers um rund drei Viertel senken.
Vereine und Anreise
Zum Dorfleben gehören unter anderem die Schützenbruderschaft (1824), die Feuerwehr (1907), die Ortsgruppe des Eifelvereins (1909) und die KG Zweifaller Karneval (1950); auch der Stolberger Rosenmontagszug kommt durch Zweifall. Mit dem Auto erreicht man den Ort über die L 24 und L 238, die nächste Autobahnanschlussstelle ist Aachen-Brand an der A 44. Buslinien der ASEAG verbinden Zweifall über Vicht mit Stolberg, dazu kommt seit September 2025 der Rufbus NetLiner Stolberg-Süd. Nachbarort im Westen ist Venwegen.
Karte
Bildnachweis: Beitragsbild „Zweifall“ von Peter Tritthart, lizenziert unter CC BY 3.0.
Bilder im Text: „St. Rochus, Stolberg-Zweifall (5)“ von ArthurMcGill, lizenziert unter CC BY 3.0; „NSG Solchbachtal mit Hassel- und Gieschbach, Zweifall (1)“ von ArthurMcGill, lizenziert unter CC BY-SA 4.0. Alle über Wikimedia Commons, für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.
Quellen
- Wikipedia: Zweifall — Lage, Fläche, Höhe, Nachbarorte, Ersterwähnung, Eisenhämmer, Grenzlage, Gebietsreform, evangelische Kirche, Denkmäler, Museumssägewerk, Wanderwege, Kriegsgeschehen 1944, Vereine, Verkehr
- Wikipedia: Stolberg (Rheinland) — Einwohner je Stadtteil am 31.12.2018 nach dem Statistischen Jahresbericht der Stadt, Naturlehrpfad Roggenläger
- Wikipedia: St. Rochus (Zweifall) — Kapelle 1521, Pfarrei 1804, Neubau 1850–1852, Erweiterung 1962–1964
- Wikipedia: Finsterau — Lage, Wälder
- Wikipedia: Vichtbach und Hasselbach — Längen, Quellen, Hochwasser 2021
- Wikipedia: Liste der Baudenkmäler in Zweifall — 53 Einträge
- Wikipedia: Liste der Naturschutzgebiete in der StädteRegion Aachen — Flächen der Schutzgebiete
- Industriemuseen EMR: Vichttaler Eisenwerke — Weg zu den Hämmern
- eifel.info: Hasselbachrunde und Rureifel-Tourismus: Geschichtstour Zweifall — Tourdaten
- WAG Nordeifel: Weheüberleitung — Stollen und Wirkung für Zweifall
- Fahrstrecken: OpenStreetMap-Routing (OSRM), abgefragt am 5. Oktober 2026
Stand der Angaben: Oktober 2026.