Burg Stolberg – Wahrzeichen der Kupferstadt

Wer nach Stolberg kommt, sieht sie zuerst: Die Burg Stolberg sitzt auf einem steilen Kalkfelsen mitten in der Altstadt, östlich des Vichtbachs, und hat der Stadt ihren Namen gegeben. „Stalburg“ bedeutet so viel wie feste Burg; die Form „Stolberg“ ist erstmals 1572 belegt. Heute ist die Anlage ein Museum mit freiem Eintritt – und eine der wenigen Burgen der Region, deren wechselvolle Geschichte man an den Mauern selbst ablesen kann.

Die Anlage

Die Burg ist in vier Ebenen terrassenartig auf den Felsen gebaut. Oben stehen der Große Turm, ursprünglich ein Geschützturm, der ab 1889 erhöht wurde, der Palas mit dem Rittersaal – dem größten Raum der Burg – und dem Gerichtssaal, darüber eine Galerie im Dachgeschoss, dazu der Westturm mit seiner Zwiebelhaube und der obere Torbau. Weiter unten liegen die Torburg, der untere Torbau mit Burghaus, ein Vierecksturm und ein Kräutergarten.

Gebaut ist fast alles aus Kalkstein, der in nahen Brüchen gewonnen wurde, etwa am Burgstüttgen rund 500 Meter südwestlich. Der Felsen selbst besteht aus Oolith, einem Kalkstein aus dem Unterkarbon. Die Torburg ist ganz aus Bruchstein, die Fenstereinfassungen am Großen Turm aus Blaustein. Unter der Burg verläuft ein rund 150 Meter langer Stollen unbekannten Alters, der später als Kühlraum, Weinlager und im Krieg als Luftschutzraum diente.

Innenhof der Vorburg von Burg Stolberg mit Torbogen zur Torburg, dahinter der Turm von St. Lucia.
Die Vorburg mit dem Durchgang zur Torburg, dahinter der Turm von St. Lucia.

Geschichte: neunhundert Jahre in Kurzform

Die erste Burg. Die älteste Urkunde der Herren von Stalburg stammt von 1118. 1364 wurde ein neuer Verwalter verpflichtet, 400 Gulden in die Gebäude zu stecken. Die erste Burg wurde später geschleift; die Stadt gibt als Jahr 1375 an, im Zuge eines Landfriedenszugs gegen Reinhard II. von Schönforst, ein Vortrag beim Stolberger Geschichtsverein verlegt die Zerstörung dagegen ins 15. Jahrhundert.

Der Neubau unter den Nesselrode. Wilhelm I. von Nesselrode erhielt die Herrschaft in den 1440er-Jahren – je nach Quelle 1445 als Pfand oder 1447 als Lehen – mit der Auflage, eine neue Burg zu bauen. Um 1450 begannen die Arbeiten.

Brand und Kupfermeister. Im Oktober 1542 griff René de Chalon im Geldrischen Krieg die Burg an und brannte sie nieder. Bis 1544 waren die Schäden behoben; Hieronymus von Efferen gab dem Palas sein hohes Dach mit Treppengiebeln. Sein Nachfolger Johann von Efferen, Burgherr ab 1559, holte die protestantischen Kupfermeister aus Aachen nach Stolberg und überließ ihnen die Burgkapelle für ihre Gottesdienste – der Anfang der Messingstadt, die in Galmei – das Zinkerz zwischen Aachen, Stolberg und Kelmis beschrieben ist. 1606 besetzten spanische Söldner die Burg für sechs Wochen und plünderten sie.

Verfall. 1756 beschädigte ein Erdbeben die Anlage. Danach verfiel sie und diente Obdachlosen und Handwerkern als Unterkunft und Werkstatt. 1863 verkaufte Graf Kesselstatt sie für 4.000 Mark an das Ehepaar Welter, das Teile des Geschützturms sprengen ließ.

Der Retter. Ende der 1880er-Jahre – 1887 oder 1888, die Quellen sind sich nicht einig – kaufte der Fabrikant Moritz Kraus die Ruine und ließ sie nach Plänen von Carl Wilhelm Schleicher und Alfred Müller-Grah wieder aufbauen. Im April 1909 schenkte er sie, noch unfertig, der Stolberger Bürgerschaft als unveräußerliches Eigentum.

Krieg und Wiederaufbau. Am 21. September 1944 nahmen US-Truppen die Burg nach harten Kämpfen ein. Wie stark sie dabei beschädigt wurde, wird unterschiedlich beschrieben – genutzt werden konnte sie danach jedenfalls lange nicht. 1950 gründete sich ein Burgverein, vom 11. November 1951 bis 1953 baute man die Burg auf den Zustand unter den Efferen zurück. Ab 1956 fanden wieder Veranstaltungen im Rittersaal statt, im November 1987 wurde die Burg nach einer Sanierung für 2,3 Millionen D-Mark neu eingeweiht.

Die Burg heute

Nach einer weiteren Sanierung ist die ganze Anlage als Museum eingerichtet, mit Infostelen und Medienstationen. Ausgangspunkt ist das Infozentrum auf dem unteren Burghof.

  • Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags 11 bis 16 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr; montags und dienstags geschlossen. Das Burggelände ist täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zugänglich.
  • Eintritt: frei
  • Audioguide: kostenlos, in vier Sprachen, im Infozentrum
  • App: „Burg Stolberg Tour“ für iOS und Android, mit Augmented Reality – durch die Burg führt eine virtuelle Ausgabe von Moritz Kraus
  • Für Kinder: ein Logbuch bzw. eine Rallye durch die Burg
  • Gruppen: bitte vorher anmelden

Museum in der Torburg. In der Torburg zeigt der Heimat- und Handwerksmuseum e.V. ein Museum, das es seit 1983 gibt. 2020 wurde es ausgeräumt, beim Hochwasser 2021 wurden eingelagerte Stücke beschädigt; am 7. September 2025 öffnete es neu. Die Räume sind nach Handwerken geordnet – Holz, Leder, Glas, Metall, Blei, Schmiede, Bergbau, Seife – dazu eine Schatzkammer und eine Kaffeestube, die am Wochenende und an Feiertagen nachmittags geöffnet ist.

Feiern und Veranstaltungen. Rittersaal und Gerichtssaal dienen für Konzerte, Hochzeiten und Feiern; vermietet wird die Burg über die städtische Kupfer Events GmbH. Über das Jahr finden auf der Burg unter anderem ein Ritterlager, ein Mittelaltermarkt beim Stadtfest und die Kupferstädter Weihnachtstage statt. Termine stehen bei Stolberg Touristik.

Gastronomie. Die Burggastronomie war wegen eines Pächterwechsels zuletzt vorübergehend geschlossen; auf dem oberen Burghof gibt es ersatzweise Snacks. Vor einem Besuch lohnt ein Blick auf die Seite der Burg.

Barrierefreiheit und Parken

Ein Aufzug führt vom Faches-Thumesnil-Platz zum oberen Burghof, ins Foyer, in den Rittersaal und auf die Galerie. Ganz barrierefrei sind die Rundgänge aber nicht. Direkt an der Burg liegt der Parkplatz Faches-Thumesnil-Platz (im Navi: Katzhecke) mit nur wenigen Plätzen; mehr Platz bietet das Victor-Parkhaus an der Bergstraße, etwa zehn Minuten zu Fuß.

Mit Bus und Bahn ist die Burg gut erreichbar: Die Haltestelle Altstadt bedienen mehrere ASEAG-Linien, und seit Juni 2026 hält die Euregiobahn wieder am Bahnhof Stolberg-Altstadt – erstmals seit der Flut von 2021.

Rund um die Burg

Die Altstadt liegt an der Süd- und Westflanke des Burgfelsens, mit über hundert Baudenkmälern; das älteste Haus in der Klatterstraße stammt von 1529. Vom Alter Markt führt ein Aufstieg zur Torburg und zur Kirche St. Lucia, der früheren Burgkapelle. Ebenfalls am Alter Markt beginnt die Kupferroute, ein Partnerweg des Eifelsteigs, der durch das alte Erzrevier bis zum Naturschutzgebiet Schlangenberg führt. An der Burg startet außerdem ein Geologiepfad. Wer sich für die Industriegeschichte interessiert, fährt weiter zum Museum Zinkhütter Hof.

Karte

Bildnachweis: Beitragsbild „Burg Stolberg 6“ von Alupus, lizenziert unter CC BY-SA 3.0.
Bild im Text: „Burg Stolberg, Vorburg, innen“ von ArthurMcGill, lizenziert unter CC BY 3.0. Beide über Wikimedia Commons, für dieses Portal auf 1920 Pixel Breite verkleinert, sonst unverändert.

Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026.

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