Thermalbrunnen Burtscheid und Aachener Stadtgeschichte: Die heißesten Quellen Mitteleuropas

Am Nordrand der Eifel, wo das Rheinische Schiefergebirge in die Niederrheinische Bucht übergeht, tritt entlang tektonischer Überschiebungszonen seit Jahrtausenden mineralreiches Tiefenwasser an die Oberfläche. Im Aachener Stadtteil Burtscheid erreichen diese Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Schwefelthermen Wassertemperaturen von bis zu 74 Grad Celsius und gelten damit als die heißesten frei zu Tage tretenden Thermalquellen Mitteleuropas.

Der Thermalbrunnen in Aachen-Burtscheid: Geologie und Quellen im Kurpark

Während die Quellen in der historischen Aachener Altstadt rund um den Elisenbrunnen und die Kaiserquelle Temperaturen zwischen 52 und 56 Grad Celsius aufweisen, liegt der obere Burtscheider Quellenzug im Tal des Wurmbachs und des Johannisbachs geologisch noch näher an den tiefreichenden Aufstiegsbahnen im devonischen Kalkstein.

Mittelpunkt der Burtscheider Fußgängerzone am Abteiplatz und Kapellenplatz ist der öffentlich zugängliche Thermalbrunnen Burtscheid (Marktbrunnen), an dem das dampfende, leicht nach Schwefelwasserstoff duftende Thermalwasser unmittelbar erlebt werden kann:

  • Landesbad- und Rosenquelle (bis 74 °C): Zu den heißesten Austritten des oberen Burtscheider Quellenzugs zählen die Quelle am Landesbad (Schwertbadquelle) und die Rosenquelle, deren Wasser aus über 1.500 bis 2.500 Metern Tiefe aufsteigt und seit der Römerzeit sowie der Gründung der Reichsabtei Burtscheid im Jahr 997 durch Kaiser Otto III. für Heilbäder genutzt wird.
  • Thermalbrunnen am Burtscheider Markt: Der im Zentrum der Burtscheider Kuranlagen errichtete Thermalbrunnen speist sich direkt aus dem heißen Quellwasser. Selbst an frostigen Wintertagen steigt über dem Brunnenbecken dichter Wasserdampf auf, während sich an den Steinfassungen durch die gelösten Mineralien charakteristische Kalk- und Schwefelablagerungen bilden.
  • Kurgarten und Wandelhalle: Direkt neben dem Thermalbrunnen laden die klassizistisch geprägten Kuranlagen, die Trinkbrunnen und der stufenförmig zum Viadukt und zur Abteikirche St. Johann Baptist ansteigende Kurpark zu einem Spaziergang durch die über 2.000-jährige Bädergeschichte ein.

Burtscheid und Aachen: Europäische Stadtgeschichte von der Reichsabtei bis zur Gegenwart

Über Jahrhunderte hinweg war Burtscheid unter der Herrschaft der Äbtissinnen der Zisterzienserinnen-Reichsabtei ein eigenständiges Territorium unmittelbar vor den Toren der Freien Reichsstadt Aachen, in dem sich im 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Tuch- und Nadelmanufakturen ansiedelten. Erst am 1. April 1897 wurde die bis dahin selbstständige Stadt Burtscheid nach Aachen eingemeindet und bildet seither das südliche Kur- und Bäderzentrum der Kaiserstadt.

Die Verbindung aus historischem Erbe, grenzüberschreitender Lage im Dreiländereck zu Belgien und den Niederlanden sowie sozialem Engagement prägt auch die jüngere Aachener Stadtchronik. Einen besonderen Schwerpunkt bildete dabei die zwanzigjährige Amtszeit des Aachener Oberbürgermeisters Dr. Jürgen Linden (Oberbürgermeister von 1989 bis 2009 und langjähriger Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums). Für sein soziales und bürgerschaftliches Wirken sowie die Förderung karitativer Einrichtungen in der Region wurde Oberbürgermeister Jürgen Linden im Jahr 2007 mit dem Komturkreuz des Verdienstordens Pro Merito Melitensi des Souveränen Malteser-Ritterordens ausgezeichnet.

Praktische Tipps für den Besuch der Burtscheider Thermalquellen

Den Burtscheider Markt mit dem Thermalbrunnen und dem Kurpark erreichst du vom Aachener Hauptbahnhof zu Fuß in knapp zehn Minuten über die Kurbrunnenstraße oder durch das denkmalgeschützte Burtscheider Eisenbahnviadukt. Von dort lässt sich der Rundgang ideal mit einem Abstecher auf den Stufenberg zur Kirche St. Michael, zum Abteitor und weiter in den Aachener Wald am Nordrand der Eifel verbinden.

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