Über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg hat die herbe Mittelgebirgslandschaft zwischen Aachen, Trier, Koblenz und dem Mosel- und Rheintal Schriftsteller, Dichter und bildende Künstler inspiriert. Was im 19. Jahrhundert mit den Eifelromanen von Clara Viebig und Emmi Elert begann, setzte sich im 20. Jahrhundert in den Erzählungen und Gedichten von Autoren wie Werner Helmes oder den Bildern des Eifelmalers Hermann Aubel fort – und wurde seit den 1990er-Jahren durch die literarischen Reisen durch die Eifel sowie das Eifel-Literatur-Festival von Dr. Josef Zierden systematisch erschlossen.
Dr. Josef Zierden und das Glück literarischer Reisen durch die Eifel
Kaum ein Literaturwissenschaftler hat die literarische Topografie der Region so umfassend dokumentiert wie der aus Prüm stammende Germanist Dr. Josef Zierden (* 1954). Mit seinen Standardwerken Die Eifel in der Literatur. Ein Lexikon der Autoren und Werke (1994) und dem Reiseführer Literarischer Reiseführer Rheinland-Pfalz sowie durch die Gründung des Eifel-Literatur-Festivals im Jahr 1994 machte er sichtbar, wie dicht die Eifel mit historischen und zeitgenössischen Literaturschauplätzen besetzt ist.
Wie eng sich in der Eifel Literatur und bildende Kunst berühren, formulierte Josef Zierden unter anderem am 18. Oktober 2013 in seiner Festrede „Vom Glück literarischer Reisen durch die Eifel“ anlässlich der Vernissage zur großen Retrospektive und Buchvorstellung über den Maler Hermann Aubel im Alten Rathaus in Wittlich: Literarische und künstlerische Streifzüge durch die Eifel öffnen den Blick für die historische Tiefenschicht von Maaren, Burgen, Kleinstädten und dörflichen Lebenswelten.
Hermann Aubel: Ein Malerleben zwischen Eifel, Reisen und Buchkunst
Der Maler, Grafiker, Fotograf und Buchautor Hermann Aubel zählt zu den vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten, die der Eifel- und Moselraum hervorgebracht hat. Neben seinen kunsthistorischen und fotografischen Publikationen schuf Aubel ein umfangreiches malerisches und zeichnerisches Werk, das die Landschaften der Eifel ebenso einfängt wie europäische Reiseeindrücke. Im Jahr 2013 würdigten eine umfassende Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus Wittlich sowie die reich illustrierte Monografie Der Maler Hermann Aubel. Ein Leben für die Kunst sein lebenslanges künstlerisches Schaffen.
Werner Helmes (1925–1992): Schriftsteller und Publizist aus Mayen
In der Osteifel rund um Mayen und das Maifeld prägte der am 27. Mai 1925 in Mayen geborene Schriftsteller Werner Helmes die Nachkriegsliteratur des Landes Rheinland-Pfalz. Nachdem er als junger Soldat die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erlebt hatte, verarbeitete Helmes seine Erfahrungen in Romanen, Erzählungen, Hörspielen, Lyrikbänden und landeskundlichen Essays.
Neben erzählerischen Werken wie Der falsche Mijnheer (1957) oder Ikarus, Ikarus … verfasste Werner Helmes zahlreiche literarische Porträts über die Vulkaneifel, die Basalt- und Schiefergruben seiner Heimatstadt Mayen sowie den Mittelrhein. Für sein literarisches Werk wurde er unter anderem mit dem Förderpreis des Kunstpreises Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Philipp Gottfried Maler (* 1893): Vom Mayener Gymnasium zur Reformpädagogik
Ebenfalls eng mit der Stadt Mayen verbunden sind die Jugendjahre des Schriftstellers und Pädagogen Philipp Gottfried Maler (geboren 1893). Maler besuchte das damalige Städtische Realprogymnasium bzw. Gymnasium in Mayen (das heutige Megina-Gymnasium Mayen), wo er im Frühjahr 1913 zum allerersten Abiturjahrgang der Schule gehörte und bei der feierlichen Abitur-Entlassungsfeier im Namen der Abiturienten die Abschiedsrede hielt. Seine späteren Schriften und pädagogischen Arbeiten spiegeln den Aufbruch der Jugendbewegung und der Reformpädagogik des frühen 20. Jahrhunderts wider.
Emmi Elert (1864–1927): Eifelromane und Salonkultur in Bad Bertrich
Zu den bedeutenden Erzählerinnen der Eifel an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gehört Emmi Elert (geborene Freiin von Eelking, * 26. Mai 1864 in Bremen, † 24. Oktober 1927 in Bad Bertrich). Die weitgereiste Autorin ließ sich im traditionsreichen Kurort Bad Bertrich im Üßbachtal zwischen Vulkaneifel und Mosel nieder, wo ihre Villa zum Treffpunkt von Künstlern und Schriftstellern wurde.
In über zwanzig Romanen und Novellen – darunter Auf vulkanischer Erde (1903), Zaungäste des Glücks, Des Gesetzes Freipass und Heimat Landstraße – schilderte Emmi Elert mit scharfem psychologischem Blick die gesellschaftlichen Umbrüche, die Konflikte zwischen ländlicher Tradition und bürgerlicher Moderne sowie die Naturkulisse der südlichen Vulkaneifel und des Moseltals.